Das Gewerbegebiet Nord-West ist eines von landesweit 81 Projekten, die Fördergelder des Landes Baden-Württemberg für den Breitbauausbau erhalten. Bürgermeister Michael Möslang nahm in der vergangenen Woche den Breitbandförderbescheid aus den Händen des Ministers für Inneres, Digitalisierung und Migration, Thomas Strobl, in Stuttgart entgegen. Die Gemeinde erhält nun also knapp 70.000 Euro, um den Breitbandausbau im Gewerbegebiet Nord-West (Gewerbering) voranzutreiben. Insgesamt investierte das Land rund 18,6 Millionen Euro in die digitale Infrastruktur. "Als Teil der Breitbandinitiative des Landkreises Karlsruhe (BLK) wurden im April 2017 Förderanträge für unterversorgten Gebiete im Landkreis gestellt. Das Gewerbegebiet Gewerbering gehörte dazu", so Möslang. "Wir waren überrascht und erfreut, als wir die Nachricht aus Stuttgart erhielten, dass wir nach über einem Jahr Prüfung tatsächlich eine Förderung erhalten können. Auf dieser Basis werden wir nun prüfen, ob die Verwaltung dem Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsplanung empfehlen kann, den Ausbau des Gebietes vorzunehmen."
Die Versorgung mit schnellem Internet ist grundsätzlich Aufgabe der privaten Telekommunikationsunternehmen. Von staatlicher Seite gilt es daher in erster Linie optimale Rahmenbedingungen für den Ausbau von nachhaltigen und vordringlich glasfaserbasierten Hochgeschwindigkeitsnetzen zu schaffen. Dort, wo die privaten Telekommunikationsanbieter nicht investieren und Gebiete unterversorgt sind, kommt der kommunale Breitbandausbau mit staatlicher Hilfe ins Spiel. In diesen Fällen geht es um die Daseinsvorsorge.
Unterversorgt ist ein Gebiet nach derzeitiger Definition dann, wenn weniger als 30 MBit /s Downstream (beschreibt die Geschwindigkeit, mit der Daten aus dem Internet heruntergeladen werden können) für den privaten Endkunden möglich sind. Diese "Eingriffsschwelle" ist nach Auffassung der Gemeinde deutlich zu tief und befördert so den weiteren Ausbau von Übergangstechniken wie dem VDSL. Dies wurde gegenüber dem Bundesgesetzgeber auch mehrfach durch die Gemeinde und die BLK moniert.
In Linkenheim-Hochstetten hat die Unitymedia fast flächendeckend Koaxialkabel im Einsatz, welche auch schnelles Internet in den Haushalten ermöglichen. Derzeit sind hier bis zu 400 MBit Downstream möglich. Die Telekom hat im April die technischen Voraussetzungen für VDSL geschaffen. Hiermit sind theoretisch bis zu 100 MBit/s Downstream möglich.
Ursprünglich hatte die Gemeinde einen Förderantrag für den Gesamtausbau des Gewerberings/ Gewerbegebiet Nord-West gestellt. Dieser hätte eine Förderung von fast 125.000,- € ermöglicht. Durch den VDSL-Ausbau der Telekom, bzw. deren "Ausbauabsichtserklärung", war nur noch ein reduzierter Förderantrag über gut 70.000 € aussichtsreich.
Die Gemeinde hat als Teil der BLK im vergangenen Jahr ein innerörtliches Zugangsnetz quer durch den Ort gelegt. Von dort geht Glasfaser in einzelne Haushalte, versorgt das Neubaugebiet komplett und ebenso das Gewerbegebiet Römeräcker. Nun wird geprüft, ob dieser schnellstmögliche Anschlussausbau mit Glasfasern bis ins Haus auch für den Gewerbering möglich wird.