Kanalpflege, Sanierungen und Zukunftsplanung – was wir für ein sicheres Abwassersystem tun
Wir investieren kontinuierlich in den Erhalt und die Modernisierung des Kanalnetzes. Dieses unsichtbare Rückgrat unserer Infrastruktur sorgt dafür, dass Regen- und Schmutzwasser zuverlässig abgeleitet werden. Damit das so bleibt, sind drei Maßnahmen von zentraler Bedeutung: die jährliche Kanalreinigung, die Sanierungen nach der Eigenkontrollverordnung (EKVO) und die Fortschreibung des Allgemeinen Kanalisationsplans (AKP).
1. Kanalreinigung - Vorsorge für einen störungsfreien Betrieb
Unser Kanalnetz umfasst rund 54 Kilometer Leitungen und fast 2.000 Schächte. Über das Jahr sammeln sich Ablagerungen, Sand oder Fremdkörper, die im Ernstfall zu Verstopfungen führen könnten. Um dies zu verhindern, wird das gesamte Netz einmal jährlich gereinigt - mit Spezialfahrzeugen, die die Rohre mit Hochdruck spülen und gleichzeitig das gelöste Material absaugen.
Für 2025 wurde der Auftrag an die Firma Rockstroh GmbH aus Bad Rappenau vergeben. Die Kosten liegen bei 134.000 Euro. Diese vorbeugende Reinigung hilft nicht nur, Rückstau und Überschwemmungen zu vermeiden, sondern verlängert auch die Lebensdauer der Kanäle.
2. EKVO-Sanierungen - Pflicht zur Eigenkontrolle und Reparatur
Die Eigenkontrollverordnung (EKVO) verpflichtet alle Kommunen, ihre Abwasseranlagen regelmäßig zu überprüfen und Schäden zu beheben. In den Jahren 2021 und 2022 wurde unser Kanalnetz per Kamera untersucht. Dabei wurden einige Schäden entdeckt, die nun Schritt für Schritt saniert werden. Die Innensanierungen erfolgen meist grabenlos: Statt Straßen aufzureißen, wird ein neues Kunststoff-Innenrohr in den alten Kanal eingezogen. Das spart Zeit, Kosten und reduziert Verkehrsbehinderungen. Für die Sanierungen 2025 hat die Gemeinde Aufträge im Wert von rund 194.000 Euro vergeben.
Die Sanierung dient nicht nur dem Erhalt der hydraulischen Leistungsfähigkeit, sondern verhindert auch, dass Abwasser ins Grundwasser gelangt oder Fremdwasser die Kläranlage unnötig belastet.
3. Allgemeiner Kanalisationsplan (AKP) - Zukunftssichere Planung
Die bisherigen AKP-Berechnungen stammen aus den 1980er Jahren. Damals gab es weder präzise digitale Daten noch die heutigen Starkregenereignisse. Der neue AKP 2025 analysiert das komplette Kanalnetz mithilfe modernster Software und aktuellen Regendaten des Deutschen Wetterdienstes. So erkennen wir genau, wo Engpässe bestehen und wo das Risiko von Überstau oder Überflutung besteht.
Warum können wir Kanäle nicht beliebig groß bauen?
Ein Wunsch vieler Bürger ist ein Kanalnetz, das auch extreme Wolkenbrüche vollständig aufnehmen kann. Doch:
- Normvorgaben (DIN EN 752) schreiben vor, dass Kanäle auf Regenereignisse ausgelegt sein müssen, die statistisch alle 2 bis 5 Jahre auftreten. Für seltenere Extremereignisse (z. B. alle 50 Jahre) sind andere Schutzmaßnahmen wie Oberflächenrückhalt oder Notwasserwege vorgesehen.
- Kosten: Ein Kanalnetz, das alle Extremregen aufnehmen könnte, wäre um ein Vielfaches teurer. Das würde zu drastischen Erhöhungen der Abwassergebühren führen.
- Klimaanpassung: Statt nur größer zu bauen, setzt man auf eine Kombination aus Kanaloptimierung, Rückhaltebecken, Entsiegelung und intelligenter Regenwasserbewirtschaftung.
Geplante Maßnahmen und Kosten
Die hydraulische Untersuchung hat mehrere kritische Stellen im Netz identifiziert. Diese werden in 3 Prioritätsstufen saniert:
- Prio 1 (1-5 Jahre): Maßnahmen im Umfang von 2,8 Mio. €.
- Prio 2 (6-10 Jahre): Maßnahmen im Umfang von 2,3 Mio. €.
- Prio 3 (10-30 Jahre): Anpassungen, die mit großen Straßensanierungen kombiniert werden.
Aufgrund der fortgeschrittenen Straßenplanung wird zunächst eine Maßnahme der Priorität 3 des AKP umgesetzt werden: Im nächsten Jahr werden mit der Sanierung der Alten Landstraße auch Kanal- und Wasserleitungsabschnitte im Bereich des Kreisverkehrs Hauptstraße/Waldstraße ausgetauscht werden. Die Details werden in den kommenden Wochen mit den Fachbüros besprochen und dann im Gemeinderat vorgestellt.



