Baggersee "Streitköpfle" wird zum Besuchermagnet/ Parkgebühren werden erhöht

Er erhitzt die Gemüter und das obwohl er tatsächlich zur Abkühlung genutzt wird: Der Baggersee "Streitköpfle" beschäftigt seit einigen Wochen die Gemeindeverwaltung und zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner, die aus unterschiedlichen Gründen ihrem Ärger in den sozialen Medien Luft machen. Der Hauptgrund für den Streit um den "Streitköpflesee" ist schnell genannt: Es kommen schlichtweg zu viele Autos bzw. zu viele Menschen mit dem Auto.
 
Am vergangenen Freitag musste der von der Gemeindeverwaltung beauftragte Sicherheitsdienst um 15.30 Uhr die Zufahrt zum See an der Einmündung Rheinstraße sperren; am Samstag war diese Maßnahme sogar um 13 Uhr bereits notwendig, da alle Parkplätze belegt waren. In einer Sitzung am Montag Vormittag berieten Bürgermeister Michael Möslang und seine Amtsleiter über mögliche Lösungsansätze und hielten auch Rücksprache mit dem Sicherheitsdienst. "Grundsätzlich ist die Idee, den See für auswärtige Besucher zu sperren und nur Einheimischen den Besuch zu gestatten, rechtlich nicht machbar", so Möslang. "Das EU-Recht regelt eindeutig, dass diese Form der Diskriminierung aufgrund Ortszugehörigkeit nicht erlaubt ist. Auch ist das inhaltlich fragwürdig - was würden wir sagen, wenn die Karlsruher nur noch Karlsruher in den Zoo ließen?"

Der Forderung, den See für die zahlreichen Taucher zu sperren, musste Möslang ebenso eine Absage erteilen: "In unserer Baggerseesatzung ist klar geregelt, dass in den Baggerseen Gießen und Streitköpfle getaucht werden darf. Diese Regel wird, soweit wir das sehen, eingehalten." Linkenheim-Hochstetten hatte bereits in den 1990er Jahren einen langen Rechtsstreit mit Tauchergruppen bis vor den Verwaltungsgerichtshof in Mannheim getragen. Damals wurde vom höchsten Verwaltungsgericht Baden-Württembergs mit Blick auf das Tauchen in Baggerseen am Beispiel von Linkenheim-Hochstetten festgestellt, dass Tauchen in den Baggerseen Allgemeingebrauch ist und nicht pauschal verboten werden darf.

Man sei sich in der Diskussion einig gewesen, dass die Kontrolle durch den Sicherheitsdienst sowie die Gebührenerhebung durch das Baggerseepersonal probate Mittel seien, um die Situation am See unter Kontrolle zu halten. "Wir empfehlen allen Baggersee-Besuchern dringend, während der Sommerferien nicht mit dem Auto zu kommen", so Möslang. "Es ist jederzeit damit zu rechnen, dass wir die Zufahrt sperren müssen, wenn die Parkplätze voll sind. Und da können wir dann auch keine Ausnahmen machen." Zudem werde man die Parkgebühr um drei Euro auf acht Euro pro Pkw erhöhen, was in Möslangs Augen vertretbar ist und gerade Familien nicht übermäßig belaste. Die Parkgebühr für Motorräder beträgt künftig 4 Euro; für Wohnmobile werden 20 Euro fällig.  

In den vergangenen Tagen seien weiterhin Meldungen im Rathaus eingegangen, dass vereinzelt auch der "Rohrköpflesee" zum Baden genutzt werde, was grundsätzlich nicht gestattet ist. Dort befinden sich verschiedene Schutzgebiete und die Reviere der Angler. "Zudem sind die Uferbereiche vielfach abschüssig und nicht ungefährlich", so Möslang, der in diesem Zusammenhang auch auf die beiden Seen bei der Insel Rott verweist. "Auch dort ist das Baden aus guten Gründen nicht gestattet - es gibt dort viele Naturschutzbereiche und je nach Rheinwasserstand gefährliche Strömungen."

Somit bleibt neben dem Baggersee "Giesen" auf Hochstettener Gemarkung eben der Baggersee "Streitköpfle" als Badesee übrig und zieht entsprechend viele Besucher an. Was im Übrigen nicht nur ordnungsrechtliche Konsequenzen haben könnte, wie der Umweltbeauftragte der Gemeindeverwaltung, Peter Pramann, sagt: "Wir haben zwar nach wie vor eine ausgezeichnete Wasserqualität, aber je länger die Hitzeperiode andauert, desto schlechter wird der mikrobielle bzw. hygienische Zustand des Sees. In Anbetracht der vielen Badegäste ist es sehr wahrscheinlich, dass wir bei anhaltend hohen Temperaturen hier Probleme bekommen werden." Und zwar nicht nur der Badende, sondern auch die tierischen Bewohner des Sees, von denen es eine ganze Menge gibt, wie Pramann betont: "Der Streitköpflesee ist das Revier vieler Fischarten", sagt der Umweltbeauftragte. "Es wäre also nicht nur für die Badegäste wünschenswert, wenn das Gewässer mikrobiologisch nicht überlastet würde."