Brücken zur Insel Rott

Kartenausschnitt der beiden Brücken

Straßensperrung der Altrheinbrücke und der Drehbrücke vor der Insel Rott

Seit 20. Juli 2018 sind die Altrheinbrücke und die alte Drehbrücke zwischen dem Rheinhochwasserdamm am Parkplatz des Baggersees Gießen und der Insel Rott für Kraftfahrzeuge gesperrt. Grund für die Sperrung ist der schlechte Zustand beider Brücken, der im Rahmen einer Brückenprüfung in der gleichen Woche deutlich wurde. Der Brückensachverständige konnte insbesondere aufgrund der Bewegung beider Bauwerke beim Überfahren keine uneingeschränkte Verkehrstauglichkeit der Bauwerke mehr bescheinigen und empfahl als Sofortmaßnahme die Sperrung der Altrheinbrücke und der Drehbrücke für Kraftfahrzeuge. Darüber hinaus entsprechen auch die Geländer der Bauwerke nicht mehr den aktuellen Vorgaben für Absturzsicherungen im öffentlichen Raum. So ist die Höhe der Geländer zu gering für Radfahrverkehr. Daher wurde seitens der Gemeinde auch ein Überfahren der Brücken mit Fahrrädern verboten. Radfahrer sind entsprechend aktuell angehalten, vor den Brücken abzusteigen.
Die Erschließung der Insel selbst und der An- und Ablieferverkehr sind über den Leinpfad dank der Genehmigung des Wasserschifffahrtsamtes von Ende Juli weiterhin sichergestellt. Eine Zufahrtsbeschränkung ergibt sich somit ausschließlich für den motorisierten Besucherverkehr. Der Fußweg vom Parkplatz Baggersee Gießen bis zum Lokal Insel Rott beträgt 620 Meter.
In der KW 33 und 34 erfolgten weitere Untersuchungen an der Drehbrücke und Altrheinbrücke. Es ist davon auszugehen, dass die Drehbrücke für Fußgänger- und Radfahrverkehr weiter genutzt werden kann. Weitere Untersuchungen, insbesondere an der Unterseite der Altrheinbrücke, folgen in den kommenden Wochen.
Wie lange die Sperrung anhält, ist derzeit noch nicht absehbar. Die Gemeinde arbeitet an mehreren Lösungsansätzen, um den motorisierten Besucherverkehr wieder möglichst nahe an bzw. auf die Insel Rott zu bringen.
Losgelöst davon werden immer wieder ähnlich Fragen gestellt, die wir daher hier nochmals aufgreifen.

Warum hat die Gemeinde nicht schon früher etwas unternommen?

Die Prüfung der Brücken, welche zur Sperrung führte, erfolgte als Hauptprüfung nach DIN 1076 im Vorgriff zu einer Sanierungsuntersuchung. Eine solche Prüfung ist umfassender als eine reine Sichtprüfung. Insbesondere erfolgte eine Belastungsprobe mit einem 6 Tonnen schweren Fahrzeug welches über die Brücken fuhr.

Die Korrosionsschäden an der Drehbrücke sind seit langer Zeit ersichtlich und bekannt, allerdings nicht deren konkrete Folgen. So waren die Brückenbauwerke bereits 2010 vorübergehend infolge von Auflagerschäden gesperrt. Damals erfolgte entsprechend eine Teilsanierung.

  • 2013 ging die Brückenbaulast für die Drehbrücke von einem privaten Kiesförderunternehmen auf die Gemeinde über. In diesem Kontext wurde die Drehbrücke umfassend analysiert um auch Ausgleichszahlungen für Instandhaltungsarbeiten festzulegen. Eine umfassende Prüfung erfolgte
  • 2014 wurde der Belag auf der Brücke entsprechend erneuert
  • Im Spätjahr 2015 hatte der Gemeinderat im Haushalt 2016 für den Neubau der Brücken 600.000 € als erste Rate für das Jahr 2016 vorgesehen. Man war zu diesem Zeitpunkt von Neubaukosten in Höhe von insgesamt rund 1,2 Mio. € ausgegangen

Auf dieser Grundlage begannen die Planungen, welche 2017 soweit fortgeschritten waren, dass die Träger öffentlicher Belange umfassender angehört werden konnten (z.B. Naturschutz, Wasserschifffahrtsamt oder die Fischereibehörde…).

Im März 2018 entschied der Gemeinderat neben der Vorbereitung der Ausschreibung eines Neubaus auch die Sanierung der Brücken prüfen zu lassen. Grund hierfür waren insbesondere die auf fast 4 Mio. € prognostizierten Gesamtkosten für den Neubau beider Bauwerke. Alle Druckvorlagen hierzu sind auch über das Bürgerinformationssystem der Gemeinde abrufbar.

Insbesondere im Rahmen der Begehungen für die Neubauplanung in den vergangenen Jahren ergaben sich keine Hinweise auf die Notwendigkeit einer Sperrung für KFZ–Verkehr. Insofern kam das Ergebnis der Hauptprüfung auch für die Gemeinde überraschend, da man sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich mit beiden Bauwerken beschäftigt hatte.

Warum kam die Sperrung so plötzlich?

Der Brückensachverstände empfahl insbesondere die kurzfristige Sperrung beider Brücken für den motorisierten Verkehr. Bei einer solchen Maßnahmenempfehlung gilt es unverzüglich zu handeln um eine mögliche Gefahr für Nutzer der Brücken zu unterbinden. Entsprechend gab es keine „Vorwarnzeit“ oder Ähnliches.

Was unternimmt die Gemeinde aufgrund der Dringlichkeit für die Lokale auf der Insel aktuell?

Neben den Planungen für eine langfristige Lösung für den motorisierten Verkehr hat die Gemeinde auch Anregungen der Angler als Sofort-Maßnahmen aufgenommen:

Neben den Planungen für eine langfristige Lösung für den motorisierten Verkehr hat die Gemeinde auch Anregungen der Angler als Sofort-Maßnahmen aufgenommen. So wurde der Parkplatz Baggersee Gießen an die Straße zu den beiden Brücken für den Fußgängerverkehr besser angeschlossen. Zwei Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder wurden aufgestellt. Eine auf dem Parkplatz Baggersee Gießen, eine auf der Insel Rott. Beide sollen in den kommenden Wochen mit Leihfahrrädern gefüllt werden, so dass PKW-Nutzer per Leihfahrrad die letzten 500 Meter bis zu den Gaststätten zurücklegen können, sobald die Geländer für Radwegeverkehr angepasst wurden. Die neuen Geländer sollen bis Monatsende montiert sein.

Ferner wurde auf Anregung der Eigentümer des Restaurants, die Tauglichkeit auf Golf-Caddys geprüft und auf Anregung des Angelvereins, die Zuwegung mittels THW oder Ferttigteile-Brücken. Leider waren diese Prüfungen ohne Erfolg. Auch eine Fertigteile-Brücke oder eine Ponton-Brücke bräuchten ein vollständiges Genehmigungsverfahren, sofern eine neue Gründung erforderlich ist. Damit scheiden diese Varianten leider aus. Inwieweit die gegebene Gründung der Altrheinbrücke für eine neue Konstruktion wiederverwendet werden kann, ist Teil der Sanierungsuntersuchung.

Aktuell läuft auf Basis der Ergebnisse der ergänzenden Untersuchungen die Prüfung, inwieweit und unter welchen Voraussetzungen zumindest die Altrheinbrücke für den motorisierten Verkehr wieder freigegeben werden könnte. Sofern dies möglich ist, wird im Rat beraten, ob und wie ein Parkplatz auf der Zwischeninsel zwischen Altrhein und Rott angelegt werden kann.

Eine „Schnellsanierung“ beider Brücken kann voraussichtlich im Oktober im Rat vorgestellt werden.

Können nicht einfach THW oder Bundeswehr eine Schnellbrücke bauen?

Die Schnellbrücken oder Panzerbrücken sind für den vorübergehenden Einsatz gedacht. Denkbar wäre diese Lösung ergänzend zu anderen Maßnahmen um z.B. den Forst mit Vollerntern auf die Zwischeninsel zwischen Altrhein und den Baggerseen zu bekommen. In der Regel sind diese Konstruktionen auf 18-21 Meter Spannweite ausgelegt (je nach Modell). Die Altrheinbrücke überbrückt fast 40 Meter. Somit wäre auch bei diesen Konstruktionen eine Zwischengründung mit entsprechendem Genehmigungsverfahren nötig. Vom THW steht eine abschließende Stellungnahme noch aus.

Wie wäre es mit einem Fährschiff?

Tatsächlich gibt es Landungsschiffe, welche auch bei Niedrigwasser verkehren könnten. Auch könnte die Slip-Anlage der Feuerwehr so ausgebaut werden, dass eine Anlandung auf der Dammseite möglich wäre. Jedoch müsste auf der Insel Rott ebenfalls eine entsprechende Slip-Anlage eingerichtet werden und für den Fährverkehr im inzwischen mehrfach geschützten Dammvorland ein entsprechendes Genehmigungsverfahren durchlaufen werden. Vor diesem Hintergrund scheidet auch dieses Lösung als „schnelle Hilfe“, um die PKW wieder auf direktem Wege auf die Insel Rott zu bekommen, aus.

Was wird aktuell konkret in der Sache unternommen?

Um möglichst schnell wieder zumindest auf die Altrheininsel mit Fahrzeugen zu kommen werden die im eingangs beschriebene Hauptgutachten gemachten Aussagen gezielt geprüft und Vorschläge zur punktuellen Sanierung erarbeitet. In diesem Kontext ist die nächste Untersuchungsstufe die chemische Untersuchung des Betons, insbesondere auf der Brückenunterseite.

Beide Brückenbauwerke erhalten ein provisorisches Geländer, welches den Radverkehr wieder sicher ermöglichen soll.

Die Stahlkonstruktion der Drehbrücke wurde inzwischen eingehend untersucht. Der Gründungskörper ist nicht mit Beton hinterfüllt. Der Stahlquerschnitt hat noch eine Stärke von 10mm (ehemals 13 mm lt. Statik). Nach Umsetzung einiger Maßnahmen lässt dies hoffen, dass die Drehbrücke zumindest für Fuß- und Radwegeverkehr mittelfristig offen bleiben kann und so insbesondere die Bauzeit einer langfristigen Lösung überbrückt werden könnte. Der Gemeinderat hat hierfür bereits im Juli 90.000,-€ für eine Zwischenlösung bewilligt.

Am 10. September wurde die Ergebnisse der statischen Prüfung vorgestellt. Diese waren besser als erwartet. Eine Sanierungslösung ist denkbar.

Die Ausbauplanung für den Leinpfad wird derzeit für den Gemeinderat zur Vorstellung vorbereitet. Hierzu wird eine Entscheidung im September angestrebt.

Ferner wurde ergänzend zu der Variante des Neubaus von zwei Brücken für den motorisierten Verkehr (vgl. März-Sitzung des Gemeinderates), auch eine Verdolungslösung geprüft. Berechnet wurde im August die Variante, dass statt der Brücken eine Überfahrt zur Insel aufgeschüttet wird und in diese Überfahrtsschüttung Wellstahlrohre eingebaut werden. Hierbei muss eine lichte Mindestweite der Wellstahlrohre von min. 6,0 Metern erreicht werden (Vorgabe der Fischereibehörde). Die Untersuchung dieser Variante ist inzwischen abgeschlossen. Deutlich wurde hierbei, dass eine „Aufschüttungslösung“ teurer ist, als eine klassische Brückenquerung. Die geschätzten Kosten für den Umbau der Drehbrückenquerung in eine Wellstahl-Durchlass-Konstruktion und der Brücke Altrhein als Dreifeldbrücke, liegen bei rund 5,1 Mio. €. Die Kostenschätzung für die Herstellung von zwei Dreifeldbrücken liegt hingegen bei 3,8 Mio €. Ursächlich für die höheren Kosten sind hierbei vor allem die höheren Aufwendungen für die Erosionssicherheit (Spundwände) und die Herstellung des Wellstahlrohres (Unterwasserbeton, Spundwände) sowie die Verfüllung mittels Erdmaterial und Wasserbausteinen. Diese Lösung ist daher weder als Provisorium, noch dauerhaft erstrebenswert. Der Rhein ist Mühlbach. Seine Strömung und Gewässerhydraulik bringt Verwirbelungen unter Wasser mit sich, welche zu gefährlichen Kolkbildungen an Gewässerbauwerken führen können.

Auch wurde untersucht ob eine Fußgängerbrücke statt einer neuen PKW-Brücke anstelle der heutigen Drehbrücke günstiger ist. Aufgrund der nötigen Barrierefreiheit ist dies jedoch nicht der Fall.

Eine abschließende Entscheidung des Gemeinderates, welche der langfristigen Lösungen gewählt werden soll, ist im Spätjahr 2018 zu erwarten, sodass im 2. Quartal 2019, je nach Witterung, die Realisierung beginnen könnte.