Beschlüsse aus der Gemeinderatssitzung – Teil 7 –
Bauwerksprüfung 2025 - Sachstand und weiterer Ausblick Drehbrücke zur Insel Rott

Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung, am 13. November 2025, die Ergebnisse der turnusmäßigen Bauwerksprüfung zur Kenntnis genommen. Im Zeitraum von April bis Juli 2025 wurden insgesamt 14 Ingenieurbauwerke in der Gemeinde durch zertifizierte Prüfingenieure des Büros Kirn Ingenieure untersucht. Alle Bauwerke sind in verkehrssicherem Zustand.
Die Prüfungen erfolgten gemäß DIN 1076, die für Ingenieurbauwerke im Zuge von Straßen und Wegen regelmäßige Kontrollen vorschreibt. Ziel ist die Sicherstellung von Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit der kommunalen Infrastruktur über die gesamte Nutzungsdauer.
Nach DIN 1076 sind Hauptprüfungen alle sechs Jahre und einfache Prüfungen alle drei Jahre durchzuführen. Die diesjährige Hauptprüfung umfasste verschiedene Bauwerkstypen: eine Lärmschutzwand, einen Treppenabgang, zwei Stützwände, vier Fußgängerbrücken beziehungsweise Stege sowie vier Kraftfahrzeugbrücken beziehungsweise Durchlässe.
Die Bewertung erfolgt nach einem Notensystem von 1 bis 4, wobei die Note 1 für schadenfreie Bauwerke steht und die Note 4 eine Sperrung erforderlich macht.
Die Prüfungen ergaben unterschiedlichen Instandsetzungsbedarf. Die Lärmschutzwand aus Gabionen auf dem Wall beim Gewerbegebiet Römeräcker erhielt die Bestnote 1,0. Für die Stützwand am Friedhof Hochstetten (Bauwerksnote 2,5) werden Instandsetzungskosten von circa 6.000 Euro veranschlagt.
Den höchsten Instandsetzungsbedarf weist die Stützwand am Wäschbuggelplatz mit Treppenabgang auf (Bauwerksnote 2,0), für die Maßnahmen in Höhe von circa 82.110 Euro ermittelt wurden. Der Treppenabgang zur Werner-von-Siemens-Straße im Zuge der Draisstraße erhielt die Bauwerksnote 2,5.
Bei den Fußgänger-Brücken reichen die Noten von 2,1 bis 3,0. Die Fußgängerbrücke über das Herrenwasser beim Klärwerk wurde mit 2,1 bewertet, die Fußgängerbrücke über den Beynegraben mit 2,2. Der Fußgängersteg über den Alteckergraben bei der Jagdhütte erhieltmit der Note 3,0 die niedrigste Bewertung unter den geprüften Bauwerken und erfordert Instandsetzungsmaßnahmen von circa 2.380 Euro.
Die geprüften Kraftfahrzeugbrücken wurden durchweg mit Noten zwischen 2,0 und 2,3 bewertet. Für die Brücke über den Böllensandgraben im Zuge des Kiesweges bei den Hausdeichgärten (Note 2,3) sind Instandsetzungsarbeiten von circa 22.610 Euro vorgesehen. Der Durchlass über den Kungelgraben im Zuge Am Altrhein (Note 2,2) erfordert Maßnahmen in Höhe von circa 15.470 Euro.
Die Brücke über den Böllensandgraben im Zuge Am Altrhein wurde mit 2,2 bewertet, die entsprechenden Instandsetzungskosten belaufen sich auf circa 19.040 Euro. Die Brücke über den Böllensandgraben im Zuge des unteren Kungelweges erhielt die Note 2,0 bei veranschlagten Kosten von circa 8.925 Euro.
Eine besondere Situation besteht bei der Zufahrt zur Insel Rott. Die dortige Altrheinbrücke(BW 12) wurde 2019 instand gesetzt und erhielt bei der aktuellen Prüfung die Note 2,0. Sie ist für Personenkraftwagen bis 3,0 Tonnen und Fußgänger freigegeben und kann langfristig mit regelmäßigem Instandsetzungsaufwand genutzt werden.
Die Drehbrücke im Zuge der Zufahrt zur Insel Rott (BW 11) stellt hingegen einen Sonderfall dar. Sie wurde 2019 provisorisch für eine Nutzungsdauer von circa fünf bis sechs Jahre instand gesetzt. Die aktuelle Prüfung ergab die Bauwerksnote 3,0. Aufgrund voranschreitender Korrosion, insbesondere an den tragenden Elementen und im Bereich der Schrauben, wird die Brücke kurz- bis mittelfristig einen Zustand erreichen, der eine Komplettsperrung erforderlich macht. Auch daher wurde der Leinpfad im Rahmen der Sanierung so ausgebaut, dass der Lieferverkehr zur Insel Rott über diesen erfolgen kann. Aufgrund der Vorgaben des Wasserschifffahrtsamtes jedoch nicht der PKW-Besucherverkehr.
Nach Einschätzung des Prüfingenieurs könnte eine Sperrung der Drehbrücke im Jahr 2029 eintreten. Die Gemeinde wird daher zeitnah mit der Planung eines Ersatzneubaus beginnen müssen bzw. Alternativen zu prüfen haben. Die in den Prüfunterlagen ausgewiesenen Kosten von circa 15.470 Euro beziehen sich nicht auf einen Neubau, sondern lediglich auf zwingende Arbeiten zur Mängelbeseitigung und Instandsetzung während der Planungsphase. Ein Ersatzbau wurde bereits 2018 auf mehrere Millionen Euro geschätzt.
Eine alternative Zufahrt zur Insel Rott über den Leinpfad wurde geprüft, jedoch stimmt die Wasser- und Schifffahrtsdirektion einer solchen Zufahrt nicht zu. Die Handlungsoptionen zum Umgang mit der Drehbrücke werden dem Technischen Ausschuss und dem Gemeinderat in einer separaten Sitzung zur Beschlussfassung vorgestellt.
Für die ständige Bauwerksunterhaltung sind im Haushaltsplan 2026 Mittel in Höhe von 40.000 Euro bereitgestellt. Die dargestellten Instandsetzungskosten der einzelnen Bauwerke verstehen sich als Bruttobeträge ohne Nebenkosten. Für konkrete Instandsetzungsmaßnahmen werden detaillierte Planungen für die einzelnen Bauwerke erforderlich sein. Dabei entscheiden Wirtschaftlichkeit und Verkehrssicherheit über den jeweils richtigen Sanierungszeitpunkt.


